Golden Girls
(Nochmal von Käsekuchen)
Diese Geschichte gewann beim Wettbewerb für die beste "Golden Girls Story" im
Internentforum.

Miami.
Das
Einganshalle im Hotel „Golden Palace“.
Blanche steht besorgt an der Rezeption, Sophia sitzt auf dem Besuchersofa. In
der Nähe stehen ein paar Umzugskartons.
Blanche: Das
war die blödeste Idee von uns das Haus zu verkaufen und ins Hotel zu investieren
und jetzt nach nur drei Jahren müssen wir schließen. Aber trotzdem war es eine
gute Erfahrung für uns und ein paar nette männliche Gäste habe ich auch kennen gelernt. Jetzt besteht die
Möglichkeit unser Haus zurückzukaufen, weil den neuen Besitzern das Klima von
Miami nicht gut bekommen ist. Hoffentlich wartet Mister Yakamoto, bis wir das
Hotel los sind.
Sophia:
Dazu ist auch noch Rose verrückt geworden. Sogar für Sie ist die Idee, nach
einem Schatz im Hotelgarten zu suchen, bescheuert.
Besonders
aufgebracht kommt Rose in die Lobby im Bauarbeiter Outfit, einen Helm auf dem
Kopf, einem Spaten über der Schulter, ein Blatt Papier und Bleistift in der
Hand.
Rose: Kinder!!! Wenn meine Berechnungen stimmen, ist
genau hier in unserem Garten ein Schatz vergraben worden. Wir können reiche Leute
werden. Einmal vor vielen Jahren habe ich schon einmal nach einem verschollenen
Schatze gesucht.
Sophia: Du
meinst dein Gehirn.
Rose:
(Geheimnisvoll). Eines Tages beschloss St. Olafs ältestes Völkerkunde Museum
zusammen mit seinen Einwohnern das Gold
der alten Wikinger zu finden, das der Überlieferungen nach, in unserer Stadt verborgen ist.
Es gab
kaum ein Platz in St. Olaf, wo seine Bewohner nicht gegraben hatten. Nach drei
Monaten wurden wir im Garten der Witwe Sonja Klingelhofer fündig.
Ehrlich
gesagt, waren es keine Relikte unseren Urahnen, sondern ein riesiges Fass mit Schnaps,
das Sonias Großvater nach Zeit der großer Depression vergraben hatte, um die
nächsten Wirtschaftskrise leichter zu
überwinden. (Rose geht raus)
Sophia: In
Sizilien sagt man dazu: egal, womit sich ein Kind beschäftigt, Hauptsache es
weint nicht.
In die
Halle tritt mit dem Koffer in der Hand Dorothy zusammen mit Rose ein.
Dorothy
lässt den Koffer fallen, und alle vier beginnen sich zu umarmen und zu küssen.
Dorothy: Welch
eine Freude wieder bei euch zu sein.
Und noch
etwas. Ich habe Lukas verlassen. Nach drei Jahre des Zusammenlebens, haben wir beschlossen,
getrennte Wege zu gehen.
Blanche: Ich
wusste schon damals, dass es nicht lange dauern wird.
Dorothy:
Und ich schwöre euch, dass ich diesen Fehler nicht mehr wiederholen werde …Zumindestens
in den nächsten 20 Jahren.
Sophia:
Und die Welt wird mit Erleichterung aufatmen.
Dorothy: (schaut
ihre Mutter liebevoll an und umarmt sie bewegend). Ma ich muss gestehen, dass
du wieder recht hattest, als du sagtest, dass es mit Lukas und mir nicht lange
dauern wird. Ich hoffe, du kannst mir verzeihen? (Schaut liebevoll auf Sophia)
Sophia :
Die Rückkehr des verlorenen Sohnes war kaum bewegender als deine.
Dorothy:
Nach euerem Entschluss das Hotel zu verkaufen und in unser Haus zurückzuziehen,
zögerte ich kein Moment, wieder hierher zu kommen.
Blanche:
Bleibt nur den passenden Käufer zu finden. Zu dem Angebot was wir haben, fehlen
uns noch fünfzigtausend Dollar, weil Mister Yakamoto das Haus voll renoviert
hat und dieses Geld zurück haben will.
Dorothy:
ein paar tausend habe ich auch noch.
Alle vier
Damen umarmen sich freundschaftlich und leidenschaftlich.
Durch die
Haustür tritt ein Bote mit einem großen Blumenstrauß.
Der Bote: für
Mrs. Petrillo. ( Gibt die Blumen ab, kassiert das Trinkgeld, geht raus).
Sophia :
(Schaut interessiert den Strauß an, nimmt die Karte heraus, gibt sie Dorothy).Dorothy
lies bitte vor, von welchem Verehrer sie sind.
Dorothy: (liest)
Liebe Grüße an unsere Sophia zum achtzigsten Geburtstag von alten Bekannten aus
Sizilien). Ma-a-a. Was soll es heißen „zum Achtzigsten“ Du wirst doch in drei
Tagen schon 85. (Alle Drei schauen Sophia fragend an)
Sophia
(nach einer Pause): Ich glaube die Zeit ist gekommen, dieses Geheimnis
preiszugeben. Ja, das stimmt. Ich werde erst 80.
Die Girls
sind sichtlich überrascht, erfreut und irritiert zugleich.
Dorothy:
Ma-a-a. Wie ist das möglich?
Sophia:
Stellt euch vor: Sizilien 1930. Ich, ein fünfzehnjähriges Mädchen zusammen mit
deinem Vater spazierte ich Siziliens endlosen Weinbergen entlang. Wir lachten, wir hörten die Vögel singen, wir
tranken Chianti aus der Flasche und als wir eine kleinen Rast, unter einem
altem Olivenbaum, machten, passierte es. Kurz gesagt bin ich schwanger geworden.
Als meine
Lage offensichtlicher wurde, blieb Salvatore und mir, um dem Zorn unseren Familien
zu entfliehen, nichts anderes übrig als Italien zu verlassen. Man musste volljährig
sein, wenn man nach Amerika einreisen wollte. Also gab ich mich 5 Jahre älter
aus. Da schon mit fünfzehn Jahren meine Körper weiblich und kurvenreich war, hat
man mir geglaubt und nach einem Monat einer
entbehrungsreichen Reise, haben ich mit Salvatore die Lichter von Ellis Island erblickt.
Jetzt wisst ihr die ganze Geschichte.
Dorothy:
Ma!? Aber warum hast du mir das nicht früher gesagt?
Sophia:
Das wollte ich erst, wenn du siebzig bist.
Alle
umarmen sich gegenseitig.
Rose:
Kinder, könnt ihr mir vielleicht im Hof ein bisschen helfen?
Dorothy:
Nach der heutigen Überraschungen, würde ich mich nicht wundern, wenn wir
tatsächlich ein Schatz fänden.
Blanche:
Und heute Abend gehen wir zusammen essen.
Sophia:
Die Stärkung wird mir gut tun, um euch fünf Jahre länger zu ertragen.
Blanche
umarmt Sophia und alle folgen Rose in den Hof.
Eine
Stunde später.
Rose,
Blanche und Dorothy ziehen eine verrostete, mit Erde verschmutzte, metttalbeschlagene
Holztruhe herein. Sophia kommt mit dem Hammer hinterher.
Blanche:
Ich bin noch nie so aufgeregt gewesen wie jetzt. Da drinnen könnten Perlen und Diamanten sein.
Dorothy:
Oder eine giftige Schlange, die unser Tod sein könnte.
Rose
schlägt das Schloss mit dem Hammer ab. Rose öffnet den Deckel, holt Gabeln,
Teller und anderes Küchengeschirr heraus.
Dorothy:
Rose, das soll also dein Schatz sein?
Blanche:
(voller Enttäuschung) Jemand hat dieses alte Zeug vergraben. (Nimmt ein Stück,
schaut es genau an). Als Museumsfachfrau kann ich euch sagen, dass das alles mindestens
hundert Jahre alt ist.
Dorothy:
Wisst Ihr was? Wir rufen jetzt die Stadtverwaltung an, damit Sie jemanden vorbei
schickt, um das Ganze anzuschauen.
Blanche :
Gute Idee, Dorothy. (Alle trösten Rose).
Am
Nächsten Morgen sitzt Dorothy in der Eingangshalle des Hotels „Golden Palace“
auf dem Sofa. Rose kommt herein.
Rose:
(sichtlich enttäuscht von der gestrigen Schatzsuche) Guten Morgen Dorothy. Hast
du Gut geschlafen?
Dorothy:
Danke Rose, bin nur etwas aufgeregt.
Rose: Weil
du heute dein Bewerbungsgespräch für deinen Lehrerjob hast?
Dorothy:
Nein Rose, weil ich mir nicht sicher bin, ob in zehn Jahren in Deutschland eine
Frau zur Kanzlerin gewählt wird! Natürlich mache ich mir wegen meines Jobs Sorgen.
Auch an Lucas habe ich viel gedacht. Es war doch eine schöne Zeit mit uns…
Rose, Schätzchen du sollst nicht Trübsal blasen. Immerhin waren deine
Berechnungen mit dem Schatz richtig. Ja gut, es waren kein Gold und keine
Diamanten drin. Aber die von der Stadtverwaltung haben großes Interesse gezeigt. Sie haben sogar einen Experten aus der
Hauptstadt bestellt. Wer weiß, vielleicht hat der Fund eine historische
Bedeutung?
Blanche
und Sophia kommen auch dazu.
Blanche:
Guten Morgen allerseits. Bald sollen Interessenten fürs Hotel kommen. Und am
Nachmittag haben sich zwei weitere angemeldet. O Gott ! Hilf uns es zu
verkaufen, damit wir in unser Haus zurückkehren können.
Am
Eingang klingelt es und in dem Raum kommt Miamis Bürgermeister zusammen mit
Fotoreportern, Kameramännern und weiteren Personen. Alle sind in aufgeregter
Stimmung.
Der Bürgermeister: (tritt nach vorne)Guten Morgen meine Damen. Wir bitten um
Entschuldigung für die so frühe Aufwartung, aber wir konnten nicht abwarten. Am
besten erklärt unser Stadthistoriker Mister Johnson warum.
Mister Johnson: (mit Begeisterung) Vor mehr als 150 Jahre, genau an dieser
Stelle,
stand
eines der ersten Gästehäuser von Miami. Eisenbahnarbeiter, Leute vom Lande,
Huren und Ganoven aller Sorten fanden dort Brot und Rast.
Ebendort
wurden übrigens Miamis erste Kinder gezeugt. Eines Tages hat ein Räuber, namens
John Stinkfuß, zusammen mit seinen Komplizen
das Tafelsilber und anderes Küchengerät aus Miamis einzigem Luxus Hotel
gestohlen und an dieser Stelle vergraben, in Hoffnung nach ein Paar Wochen das Diebesgut wiesr auszugraben und auf dem
Markt zu verkaufen. Aber der tapfere Sheriff
Mike Colt
hat ihnen
einen Strich durch die Rechnung gemacht. Er hat die Bande gefasst und vom dem
Gericht gestellt. Die Geschworene haben die Meute für schuldig befunden und zur
Verbannung nach Europa geschickt.
Seitdem galt das Diebesgut als für immer als verloren. Und nun, dank ihnen
meiner Damen, sind diese Schätze, die für unsere Stadt von großer Bedeutung
sind, gefunden worden.
Der Bürgermeister: Die Stadtverwaltung möchte in diesem Haus ein Heimatmuseum
einrichten, und bietet Ihnen für dieses Hotel eine Million Dollar.
Blanche:
(zu den anderen drei Girls) Das sind fünfhunderttausend mehr als wir erhofften.
(Alle vier freuen sich)
Alle vier:
Wir sind einverstanden.
Der Bürgermeister: der heutige Besitzer des damals beraubten Hotels möchtet
auch etwas sagen:
Der Hotelbesitzer: (tritt nach vorne
mit einem Käsekuchen in der Händen) Zuerst möchte ich mich bei Ihnen herzlich
bedanken. Dank ihrer Mühe, haben wir die gestohlene Sachen wieder. Sie wurden
damals extra für unser Hotel eingefertigt.
Darunter
befand sich auch ein Backform in der Miamis erster Käsekuchen
gebacken
wurde. Als kleines Dankeschön beschloss unser Hotel , den verehrten Damen
lebenslang mit Käsekuchen zu versorgen . (Er überreicht den Kuchen. Alle
Anwesenden lassen sich mit der Golden Girls fotografieren. Mit oder ohne Käsekuchen.
Ein Paar
Tagen später. Das „alte“ Haus in Miami. Das Wohnzimmer ist leer.
Die Tür
öffnet sich. Sophia kommt mit einem Käsekuchen herein. Zwei Umzugsarbeiter
tragen das bekannte Sofa herein. Hinterher kommt Blanche mit ihrer Lieblingsvase
und Rose mit einem Karton. Die Arbeiter stellen das Sofa ab und gehen hinaus.
Die Girls setzen sich aufs Sofa.
Blanche:
Ist das nicht wundervoll? Wir haben unser Haus wieder. Wir haben noch genug Geld
auf der Bank. Dorothy ist wieder unter uns und Sophia ist erst Achtzig.
Dorothy:
Oh, Kinder! Wir wollen uns umarmen!
(Alle umarmen sich).
Rose: Lass
uns feiern. Lasst uns was Verrücktes machen!
Sophia: Lass
uns den Käsekuchen essen!
Alle gehen
mit glücklich und zufrieden in die Küche.
Ende der Folge
Yuriy Yurchenko Offenbach den 8.06.2005